Afrika, die erste Woche

Sonntag, 28.02.2016

Abschied nehmen ist schwer.  Vor allem wenn der Aufenthalt viel zu kurz war. Eine Woche in Wien hat mir wieder gezeigt wie toll diese Stadt, meine Familie und Freunde sind. Jetzt aber Schluss mit dem Gesülze:

Zum Flughafen werde ich vom Flo gebracht. Bevor mein Flieger um 10:35 Richtung Istanbul startet kaufen wir mir noch gemeinsam Mannerschnitten und eine Packung Haribo-Frösche (im Nachhinein betrachtet eine unglaublich gute Idee!). In Istanbul habe ich dann mehrere Stunden Aufenthalt den ich nach langem umher irren auf Internetsuche in einem kleinen Cafe verbringe. Nach diesem Nachmittag am Flughafen stellt sich mir mal wieder die Frage warum vor allem arabische Reisende oft mit riesen Gepäcksanhäufungen fliegen müssen. Und warum sie mit diesen Koffertürmen dann immer noch probieren Rolltreppe zu fahren wo man doch mit freiem Auge sehen kann, dass weder der Koffer geschweige denn der Gepäckswaagen durch die Absperrung davor passen. Ich habe tatsächlich versucht das zu googlen aber ohne Erfolg.
Um 17:45 geht’s dann für 6 Stunden weiter Richtung Kilimanjaro Airport, wo das Flugzeug allerdings nur zwischenlandet und danach mit dem endgültigen Ziel Mombasa weiter fliegt. Anna Karenina mit Keira Knightly begleitet mich die ersten 2 Stunden des Fluges. Schlaftrunken komme ich um etwa 01.30 in der Nacht an und stell mich mal brav in die Reihe um ein Volunteer/Business Visum zu beantragen.  Die Dame am Schalter fragt nicht einmal welches Visum ich denn gerne hätte sondern verlangt gleich den Preis für ein Touristenvisum – 50$. Ich erkläre höflich, dass ich ein Volunteer/Businessvisum für 3 Monate brauche. Dies wird mir aber gleich verwehrt, denn um diese Uhrzeit ist das angeblich nicht möglich, dazu muss ich morgen zum Immigrationoffice in Arusha gehen. Ich erkläre, dass ich heute Nacht noch 1,5 Stunden durch den Bush fahren werde und für morgen keine Transportmöglichkeit nach Arusha habe. Es folgt ein weiteres hin und her, in dem ich hartnäckig dabei bleibe mein Visum wie offiziell angegeben on arrival zu bekommen. Meine bisherigen Reisen haben mir gelehrt, dass nein nicht gleich nein bedeutet und auch diesmal sollte ich recht behalten. Schließlich steht die Dame auf geht ins Nachbarzimmer und kommt mit einem Wisch zurück, den ich dann brav ausfülle. In der Dauer unserer Diskussion hätte sie fünfmal das Formular holen können. Dann noch Fotos machen, Fingerabdrücke abgeben (ziemlich ausgestattet sind die hier) und Koffer holen. Draußen steht auch schon ein Driver der einen Zettel mit meinem Namen hält. Monish(i) heißt er. Völlig übernächtig merke ich mir diesen Namen natürlich nicht 😉 Schnell noch Geld abheben und dann in einen uralten Geländewagen weiter nach Momella. Beim verstauen meiner Koffer entschuldige ich mich für dessen Gewicht und bekomme gleich eine mir bekannte Antwort: „Hakuna Matata“. Ich muss schmunzeln wenn auch, wie ich später gelernt habe, im hier (Nord-Tansania) gesprochenen Suaheli „hamna shida“ die gängigere Variante ist.

Während der Fahrt bemüht sich Monish(i) immer wieder um eine kleine Konversation, was mir aber komischerweise extremst schwer fällt. Erstens bin ich im Halbschlaf und zweitens bin ich anscheinend noch auf asiatisches Englisch eingestellt und dieses Englisch hier ist ganz anders. So wird zum Beispiel,( wie ich in den kommenden Tagen feststelle) an fast allem ein i dran gehängt. Cake = cakei; chips =chipsi; seven = seveni (ACHTUNG! Verwechslungsgefahr mit „seventy“!), how oldi are you?… das kann beliebig weiter geführt werden.

Nun zurück in die Ankunftsnacht auf dem Weg nach Momella. Nach 1,5 Stunden Dirtroad falle ich um etwas 4 Uhr Ortszeit ins Bett.

Montag, 29.02.2016

Monish(i) meinte zwar ich soll, wenn ich aufwache ins Restaurant da vorne gehen er wird allerdings so ab 8 Uhr dort sein. Also stelle ich mir den Wecker auf 07:45 um wenigstens irgendein bekanntes Gesicht in der Früh im Restaurant zu sehen. Denkste. Dass die es hier in Afrika auch nicht so streng mit den Uhrzeiten haben hätte ich mir ja eigentlich schon denken können. Wie heißt es doch so schön: Wir haben die Uhr und sie haben die Zeit. Irgendwann kommt Felix, ein anderer Volontär (und erste Weiße) vorbei und setzt sich zu mir. Er erzählt mir ein wenig und ruft Cornelia (die Leiterin hier) an und meint ich soll noch warten, sie wird hier vorbeischaun. Kurz vor 09.00 Uhr lerne ich auch Jeanine und Stephanie kennen zwei weitere Volontäre, die sich dann aber gleich  mit Monish(i) als Fahrer auf machen mit einem (körperlich behinderten) Kind aus der Schule und seiner Mutter in ein Behindertenzentrum um dies der Mutter zu zeigen. (Später stellt sich heraus, dass die Mutter dort mit dem Kind eh regelmäßig hingeht und erst letzten Freitag dort war. Jeanine und Stephanie sind sich mehr als fehl am Platz vorgekommen als die Mutter beginnt Monish(i) den schnellsten Weh hin zu erklären… Diese kommunikativen Missverständnisse werde ich auch noch früh genug zu genüge erleben.)

Um 09.00 Uhr begrüßt mich auch schon Cornelia (eine der zwei Leiterinnen hier) herzlich und führt mich mal ein wenig herum und zeigt mir das Healing-Center in dem ich dann auch eventuell arbeiten kann/soll. Die erste Woche kann ich mich einfach mal so umschauen und in weiterer Folge würde es sehr hilfreich sein Übungsfolder für die Zeit nach mir zusammenzustellen und wenn geht auch ein paar Dinge den Mitarbeitern hier beizubringen. Klingt gut finde ich und nachdem ich auch noch einen weißen Kittel bekomme schau ich überhaupt wichtig aus. Doppelt weiß sozusagen: weißer Kittel und Muzungu, wie die Weißen hier genannt werden. Meine neuen Kollegen heißen Sabina und Tassy. Die Namen der anderen Mitarbeiter im Nachbarzimmer habe ich mir bis heute nicht gemerkt – shame on me!

Die Patienten (teils mehr als 200 am Tag) werden zuerst im Dispensary/Healthcenter von hier angestellten einheimischen Ärtzen untersucht (besser: angehört, denn angreifen tut hier kaum jemand wen ;)) und dort (auch je nach Medikamentenvorrat) Schulmedizinisch versorgt. Viele Patienten werden danach weiter ins Healing Center geschickt. Hier gibt es eine Heilmasseurin, Heilsalben, Akkupunktur, verschiedene Elektrogeräte (über dessen Funktion ich noch nicht ganz durchblicke – aber die Patienten lieben es!),… Und natürlich jetzt mich. Im Nachbarzimmer werden auch (lokale) Naturheilmittel und Homöopathische Medikamente ausgegeben. Eine nähere Schilderung über die Behandlungen der Patienten hier bekommt ihr wenn mich die Muse dazu küsst. Kurz sei gesagt, dass meiner Meinung nach – soweit ich das beurteilen kann und darf (ich bin ja kein Arzt) – die Schulmedizin hier leider öfters zu kurz kommt. Wobei auch gesagt werden muss, dass einige Patienten von weit hergereist kommen um nach Jahrelangen erfolglosen schulmedizinischen Therapien endlich einen neuen Ansatz suchen. Und wie bereits oben beschrieben lieben die Patienten diese Elektrogeräte und fühlen sich danach angeblich um vieles besser. Allerdings fühlen sie sich auch nach dem Röntgen plötzlich wieder wie neugeboren ;). Die meisten Patienten die hierher kommen sind Meru oder Maasai aus der Region und sind Bauern oder Viehhüter.

Am Nachmittag erkunde ich ein wenig die nähere Umgebung mit all den Bauten die zum Projekt dazugehören.

Plan-Momella
Plan von Momella
Dispensary
Dispensary
Dispensary rechts und Labor links
Dispensary rechts und Labor links
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Blick zum Restaurant
Patienten vorm Healingcenter
Patienten vorm Healingcenter
im Healingcenter
im Healingcenter

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Im Office begrüße ich Georgina, mit der ich bis jetzt nur per Mail Kontakt hatte und erfahre, dass ich in meiner schönen Unterkunft nur für eine Woche bleiben kann, bis das neue kleine Helferhaus frei wird. Ich habe mich eh schon gewundert, dass meine Unterkunft so schön ist und Warmwasser hat 😉

Meine schöne Unterkunft die erste Woche:

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Blick aus der Terrassentür.
Blick aus der Terrassentür

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Blick von der Terrasse :)
Blick von der Terrasse 🙂

Am Nachmittag lerne ich noch Sara und Juanma zwei spanische Volontäre kennen die mich am frühen Abend kurz mit ins nächste Dorf (Ngare Nanjukey) nehmen wo ich mir auch schon eine lokale Sim-Karte organisiere. Die beiden reisen jedoch am nächsten Tag für eine Woche ab. Gemeinsam entdecken wir auch ein Chamäleon. Zum Abendessen werde ich von Jeanine und Stephanie und Felix auf ihre Terrasse eingeladen.

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Dienstag, 01.03.2016 – Freitag. 04.03.2016

Der Ort „Momella“, in dem ich jetzt lebe liegt am Fuße des Mount Meru auf 1600 Meter, was zu einem angenehmen nicht allzu heißen Klima führt. In nicht allzu weiter Ferne kann man auch den Kilimanjaro bewundern. (Ich sogar von meiner Terrasse)

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Die Ärzteunterkünfte links und rechts meine Unterkunft. (Die Helferhäuser sind gleich dahinter) und der Mt. Meru im Hintergrund
links die Ärzteunterkünfte und rechts meine Unterkunft. (Die Helferhäuser sind gleich dahinter) und der Mt. Meru im Hintergrund
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links das Helferhaus
Mukuru, ein heiliger Berg der Maasai
Mukuru, ein heiliger Berg der Massai

Im Laufe der Woche bekomme ich neue Nachbarn, die von einer Woche Safari zurückkommen: Zwei ältere Ehepaare und Nina, Nichte von Fredi. Fredi, ein pensionierter Radiologe ist nun schon zum dritten Mal hier und führt die hiesigen Ärzte ein in die Kunst des Röntgens und vor allem des korrekten Interpretieren des Gesehenen (sofern es die Stromversorgung hier zulässt).

Die erste Woche verbringe ich Vormittags meist ab 09.30 Uhr im Healingcenter und Nachmittags ich oft mit Stephanie und Jeanine. Ich mache mit bei ihrem Müllprojekt oder lerne das Waisenhaus kennen, bestaune den Kilimanjaro, und, und, und,…. Fad wurde mir auf jeden Fall nie. Abends esse ich meistens bei Jeanine, Stephanie und Felix auf der Terrasse und wir essen gemeinsam zu Abend. Mal besucht uns Monish(i), Irmi (eine sehr liebe Dame, die bis vor kurzen für die Organisation gearbeitet hat und jetzt in einem Haus ein wenig weiter oben wohnt) oder Christine, eine Voluntärin aus dem Waisenhaus, die jedoch am Freitag nach 6 Monaten hier abreist.

für das Müllprojekt werden die Tonnen bemahlt
für das Müllprojekt werden die Tonnen bemahlt

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vorm Waisenhaus...
vorm Waisenhaus…

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für die Kamera werden alle möglichen Kunststücke ausprobiert
für die Kamera werden alle möglichen Kunststücke ausprobiert

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Jeden Freitag ist Markttag in Ngare Nanjukey, wo man sich sein Essen für die nächste Woche kaufen kann. Ohne Kühlmöglichkeit ist es allerdings eine ganz schöne Challenge das richtige Obst und Gemüse auszusuchen. Nach Ngare Nanjukey geht es mit dem Schulbus, der so um 14.00 Uhr los fährt. Hier lerne ich auch gleich Marlene kennen, eine Voluntärin die bis jetzt leider bei den Guesthouses etwas weiter oben untergebracht ist. Sie ist Gynäkologin und wird, wie ich, auch bis Mitte Mai hier bleiben. Das freut mich, und auch dass sie dann hoffentlich bald auch hier runter ziehen kann, denn bis jetzt hat sie 20 Minuten Wegzeit ins Dispensary. Am Markt werden wir von vielen Seiten belagert und oft mit „Muzungu, Muzungu“ Rufen beschallt. Ein starker Regenschauer überrascht uns und so bleibt uns nur wenig Zeit alle notwendigen Dinge zu besorgen.

Die Schule
Die Schule

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lange Schlange für den Schulbus
lange Schlange für den Schulbus
mit dem Schulbus geht es ins nächste Dorf zum Markt
mit dem Schulbus geht es ins nächste Dorf zum Markt
am Stoffmarkt (Jeanine, Christine und Stephanie)
am Stoffmarkt (Jeanine, Christine und Stephanie)

am Lebensmittelmarkt

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am Lebensmittelmarkt
am Lebensmittelmarkt

3 Gedanken zu „Afrika, die erste Woche

  1. Warum haben alle schüler grün-weisse trainingsanzüge an? 😀
    Sehr interessant zu erfahren, wie es denn jetzt wirklich bei dir ausschaut 🙂

  2. Sehr witzig, das zu lesen wenn man selbst erst „letztens“ dort war… und ich hab eh gleichen häuschen gewohnt wie du, super aussicht! die bücher schin am weg sein. genieß es!

  3. Liebe Lisa, erst jetzt habe ich deinen Blog entdeckt. Ich bin in Gutenstein, die Karwoche hat angefangen, heute ist Willi Opas Geburtstag, also viel Gedenken in großer Dankbarkeit (er fehlt mir sehr). Ich hab ein paar Stiefmütterchen eingepflanzt und seit 1 Stunde geht das Internet (1/2 Stunde habe ich mit dem aon-Service telephoniert.- Die Nachrichten aus Brüssel sind schrecklich traurig – soviel Wahnsinn.- Liebe Lisa, Dir alles Gute, Flo ist vermutlich schon bei Dir, da kann es dir ja nur gut gehen. Frohe Ostern! Clara Oma

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