Playa Larga

Donnerstag 15.10.2015

Heute wird uns wieder einmal klar, dass hier alles was ausgemacht wird nicht ganz so eng zu sehen ist: Statt wie ausgemacht um 08:30 Uhr steht unser Taxi schon um 08:05 Uh vor der Türe. Wir lassen uns nicht stressen und essen gemütlich unser Frühstück fertig während das Taxi zuerst doch noch andere Leute abholt. Um 08:20 steht es wieder vor der Türe. Gestern wurde uns ein neuer, weißer Van von Kia mit Klimaanalage und großem Kofferraum versichert. Vor uns steht ein alter, roter, Chrysler. (Auch ok) Wir sind die Letzten die dazusteigen und haben die letzte Reihe in dem Van für uns. Da es auch keinen großen Kofferraum gibt teilen wir uns diese drei Sitzplätze noch mit unserem Gepäck. Alles halb so wild. Auf gehts in Richtung Osten.

5 1/2 Stunden später wartet bei der Autobahnabfahrt nach Playa Larga schon ein weiteres Taxi auf uns, da die anderen Mitfahrenden weiter nach Trinidad gebracht werden. (Anm.: Es ist uns ja eigentlich völlig wurscht aber gestern wurde uns versichert, dass wir keinen Autowechsel haben werden, „nicht wie bei anderen Taxianbietern“ – Ahja)

Außer uns beiden, steigt auch Camilla – eine nette Dänin – in das Oldtimer-Taxi zum „Großen Strand“ um. Bezahlt wird schon hier, der Fahrer möchte statt den ausgemachten 30CUC, 35CUC pro Person kassieren. Bekommt er aber nicht und ist trotzdem zufrieden. Damit wäre dann die Liste der nicht eingehaltenen Abmachungen komplett und wir düsen mit dem schwarzen uralt Chevy los.

Hier könnt ihr euch coole Fotos mit unserem neuen Selfiestick vorstellen, die leider mitsamt Flos iPhone gestohlen wurden.

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Obwohl Camilla eigentlich eine Adresse für eine Casa hat, möchte uns der Fahrer unbedingt zu einem seiner Freunde bringen und seine Komission kassieren. Lisa, Flo und Fahrer marschieren also von Haus zu Haus und Fragen nach den Preisen, die uns alle viel zu hoch sind. Die arme Camilla sitzt währenddessen alleine im Auto und wartet. Beim letzten Haus angefragt, erzählt uns die Besitzerin, dass sie gerade renovieren, aber ihre Schwester Plätze für uns hat. Wir gehen mit ihr also wieder zu dem ersten Haus, bei dem wir angefragt haben und siehe da, plötzlich können wir mit dem Preis doch etwas machen. Wer soll das noch verstehen.

Auch Camilla sieht sich die Zimmer an und lässt ihre Reservierung fallen um schneller fertig zu sein. Unser Fahrer beginnt zu jammern wie kompliziert wir Europäer doch sind. Wer ist da kompliziert? Wir haben von Anfang an gesagt, was wir bereit sind zu zahlen. Wenn er uns dann zu überteuerten Casas (direkt am Strand) bringt, dann muss er mit dem Handeln und Weiterfragen rechnen… Er sollte lieber froh sein, dass er jetzt dreimal Provision kassieren darf.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben machen wir es uns mit Camilla auf der Terrasse gemütlich und tratschen ein wenig. Wir planen am nächsten Tag gemeinsam eine Tour in den nahegelegenen Nationalpark zu machen. Aber: OHNE Pferde. Camilla hatte ähnlich negative Erfahrungen in Viñales wie wir. Laut Lonely Planet soll man sich für Touren in den Nationalpark nach einem gewissen „El Chino“ – „Der Chinese“ erkundigen. Wir machen uns also auf den Weg um ihn ausfindig zu machen. Playa Larga ist ein nettes kleines Touristen-/Fischerdorf in dem es scheinbar zwei Chinos gibt. Einer vermietet Räder, und der Andere kennt sich mit dem Nationalpark und dessen Vogelvielfalt aus. Wir gehen also zu dem Vogelflüsterer und müssen feststellen, dass er gar kein Chinese ist. Er ist Kubaner, der mit 10 Jahren in ein Wespennest gelaufen ist und daher eine Woche zugeschwollene Augen hatte. Seither kennen ihn viele gar nicht unter seinem echten Namen, sondern nur als „den Chinesen“. Er hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht und ist international anerkannter Vogelforscher. Selbst bei manchen Konferenzen, bei denen er Vorträge hält, wird er als „El Chino“ vorgestellt. Eine Neuauflage seines Buchs über die im Park lebenden Vögel wird von der Turiner Universität finanziert und ab März hat er eine einjährige Lehrstelle an einer Universität in Spanien. Nicht schlecht Herr Specht. Von der klassischen Touristen-Route entlang der Küste rät er uns ab, und meint wir sollen mit ihm zu einem abgelegeneren Teil des Parks fahren um Vögel zu beobachten.

Die auf der Touri-Route angepriesenen Krokodile hat er schon seit 8 Jahren nicht in freier Wildbahn gesehen und Flamingos – so sagt er – findet man auch anderswo schnell einmal.Wir nehmen seinen Vorschlag an und treffen uns am nächsten Morgen um 07.15 Uhr vor unserer Casa.

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Freitag 16.10.2015

Mit Fernglas, langer Kleidung und Moskitospray ausgerüstet, werden wir drei pünktlich um 07.15 Uhr von El Chino abgeholt.

Nachdem wir ein kurzes Stück in den Wald hineingefahren sind, parkt er das Auto und es geht fortan zu Fuß weiter. Nach nur 50 Metern erstarrt unser Vogelforscher und flüstert mit dem Finger auf einen davonfliegenden Vogel zeigend, begeistert: „Cuban Pigmy Owl“. Gleich beginnt er mit Hand und Mund die Geräusche des Vogels nachzuahmen um ihn wieder herzulocken.

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Mit Erfolg, der Vogel fliegt knapp über unseren Köpfen hinweg und kommt jedoch sobald nicht wieder.

Weiter geht es für 1 1/2 Stunden zu Fuß durch den Wald. Alle 50 Meter werden wir auf verschiedenste uns unbekannte Vögel aufmerksam gemacht, die El Chino sieht oder hört. Mit seinem Handy spielt er immer den passenden Vogelgesang ab um die Tiere in der Nähe zu halten. Kein einziges Mal hat er sich in der Songauswahl und damit verbunden, der Vogelart geirrt. Der Mann weiß wovon er spricht.

Nicht immer haben wir die Vögel so aufregend gefunden wie er: eine braune Taube auf braunen Boden klingt eigentlich fad, aber sein Enthusiasmus hat uns irgendwann auch mitreißen können und so konnten wir uns sogar an grauen Enten und braunen Tauben begeistern. „Very rare bird“, „you are lucky to see this duck, some fanatics come here three days in a row and never see it“, „very beautiful bird“.

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Die anfänglich gesehene Cuban Pigmy Owl, haben wir am Schluss auch noch fotografieren können
Die anfänglich gesehene Cuban Pigmy Owl, haben wir am Schluss auch noch fotografieren können

Trotz Moskitoschutz sind wir nach diesen zwei Stunden im Sumpfwald jeweils um gefühlte 100 Gelsenstiche reicher, aber diese kleine Vogel-Safari mit El Chino war auf jeden fall sehr witzig und interessant.

Nachdem uns El Chino wieder bei unserer Casa abgesetzt hat, steigen wir drei um 11:20 Uhr in den öffentlichen Bus zum nächstgelegenen Ort namens Playa Giron. Dort gehen wir erstmals was essen. Camilla wählt eine Pizza und wir bestellen Spaghetti. Es ist für uns beide die grauslichste Pasta die wir je in unserem gesamten Leben gegessen haben. Ca. 3 Wochen müssen diese Nudeln wohl im Wasser gekocht worden sein. Sie zergehen auf der Zunge. Die Tomatensauce schmeckt nach Ketchup und der Käse ist zum speiben. Anschließend besuchen wir das Dorfmuseum über den in diesem Ort gestarteten und letztlich gescheiterten Putschversuch der Amerikaner 1961. Wie zu erwarten war, handelt es sich bei der Ausstellung teilweise um prorevolutionäre, kubanische Propaganda. „das heroische Volk strotzt den ehrenlosen Yankees“. Fotos haben wir hier keine gemacht, denn da hätte der Eintritt mehr gekostet. So spannend war es nicht.

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„Mittagessen“
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Eine Reisegruppe geht tanken

Wir nehmen den nächsten Bus zurück nach Playa Larga. Diesmal wählen wir den exakt 36 mal so teuren aber 50 mal (nicht exakt) so schnellen und angenehmen, klimatisierten Touristenbus um 3 CUC pro Person. Flo findet einen zurückgelassenen Sonnenhut und nimmt ihn, neben der gefundenen Sonnenbrille (siehe Bryce Canyon) in seine stetig wachsende Fundgrube auf.

Wir setzten uns an den Strand vor unserer Casa, beobachten die Menschen um uns und kommentieren das Gesehene. Es stellt sich heraus, dass Camilla eine ebenso gute Nationalitätenerraterin wie Wetterfee ist: Den Spanier am Strand hat sie korrekt erraten (nicht so schwer) und auch den Regen auf die Minute genau vorhergesagt (sehr schwer).

Der Spanier
Der Spanier und das kommende Unwetter

Am Abend lernen wir ein neues Kartenspiel kennen: 500 (eine Art dänisches Romy)

3 Gedanken zu „Playa Larga

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