Mrauk U

Dienstag, 09.02.2016 / Mittwoch, 10.02.2016

Also diese Busfahrt: nachdem wir aus dem Tuktuk in unseren Bus gestiegen sind, heißt es nach etwa einer Stunde, dass wir und alle anderen die nach Mrauk U wollen, aussteigen müssen um auf einen anderen Bus zu warten. Gesagt getan.

Dort erwartet uns eine unglaublich unfreundliche und bestimmerische Frau. Sie erklärt uns, dass unser Bus erst so in 45 Minuten kommen wird und wir sollen dich dort drüben Abendessen. Sie bringt uns dann auch dort hin, denn anscheinend zeigen wir für ihre Ungeduld zu wenig Tatendrang. Beim überqueren der Straße heißt es dann: „Be careful! Be careful!“ Während wir brav den direkten und schnellen Weg über die Straße nehmen quert sie nur langsam und diagonal die Straße dabei steuert sie direkt auf ein fahrendes Moped zu. Wir sind schon an die waghalsigen Fußgänger hier gewöhnt, finden es aber trotzdem lustig wie sie die einzige ist, die in eine brenzlige Situation gerät, aber uns laut „be careful!“ zuruft.

Das Essen bestellt sie dann quasi für uns…

– Sie: „OK, you want the fried noodles? Good noodles!“
– Wir: „Do you also have local food, myanmar food?“
– Sie: „No myanmar food. Good noodles, take noodles“.

Wir zögern, weil wir keine Lust auf fettiges Touristenessen haben, aber damit die Arme nicht vor Ungeduld platzt bestellen wir halt die deppaten fried noodles, die sich dann als – wie erwartet – mäßig gut herausstellen. Ungefähr zehn mal wird uns im Befehlston erklärt, dass wir in etwa 30-45 Minuten wieder drüben bei ihrem Shop sein müssen. Ja wir haben es gecheckt. Gott sei Dank trennen sich unsere Wege sobald wir in den nächsten Bus einsteigen.

Dort allerdings gibt es eine junge Busangestellte, die anscheinend immer das Gefühl hat vor allem der Lisa mit Ziehen und Schieben bzw. Halten des Armes behilflich zu sein. Sei es um den Weg zum Sitzplatz zu navigieren (man kann sich anscheinend auch im Gang zwischen den Sitzen verirren) oder ihr die Stufen aus dem Bus hinaus zu „zeigen“ (zum Glück zieht sie Lisas Arm rechtzeitig nach rechts, sonst wäre sie fast geradeaus weiter durch die Windschutzscheibe gegangen). Hinter unseren Sitzen stapelt sich das Gepäck, welches nicht mehr in den Gepäckraum passt. Wir beanstanden sofort, dass wir unsere Sitze zum schlafen nach hinten kippen wollen. Nach einiger Zeit Herumgeräume haben wir dann auch genug Platz dafür. Allerdings merken wir das Lisas Sitz sich zwar nach hinten lehnen lässt, dort dann aber nicht in dieser Position bleibt. Lisa – das Fliegengewicht – muss sich mit Hilfem ihrer am Vordersitz abgestützten, Beine nach hinten stemmen um zurückgelehnt zu bleiben. Also tauschen wir dann Plätze basteln eine Konstruktion aus unseren Gürteln und dem Hintersitz, so dass der „schwere“ Flo den kaputten Sitz problemlos übernehmen kann.

Weil das aber trotzdem nicht die idealste Schlafposition ist, nimmt sich Flo zwei Decken und legt sich „gemütlich“ im Beinbereich auf den Boden, während Lisa versucht auf den zwei Sitzplätzen zu schlafen. Das klappt trotz der vielen Kurven und des öfteren Steckenbleibens im Sand der Straße relativ gut.

Im Laufe der Nacht werden wir (oder vor allem Lisa) allerdings noch 5 mal geweckt: 4 Mal um unsere Pässe abzugeben bzw. zurück zu bekommen (mitten im Land ohne Grenzübergang), ein weiteres Mal um mitten in der Nacht aus dem Bus auszusteigen. Da wir aber schon oft nur wegen Essen zu verrückten Uhrzeiten unsere Nachtbusse verlassen mussten, fragt Lisa: „Why? Do we have to change the Bus or eat food?“ „Ahhh no“. Der Deutsche auf der anderen Seite des Ganges schläft auch noch und somit beschließen auch wir liegen zu bleiben. Als dann der Bus wieder losfährt setzen wir uns auf und sehen, dass wir die einzigen drei Passagiere sind, die den Bus nicht verlassen haben. Zwanzig Meter weiter steigen alle wieder ein und erzählen, dass wir gerade eine Klippe entlang gefahren sind und dass es anscheinend wirklich, wirklich eng war. ?

Der nächste Stop ist dann das Frühstück. Im gleichen Ort müssen wir auch einige Zeit auf ein Fähre über den Fluss warten. (Eigentlich gab es hier eine Brücke, aber die ist beim letzten Monsun scheinbar weggeschwemmt worden – das schafft Vertrauen!)

DSC04154-1

Es folgen ein paar weitere Stunden der Busfahrt bis wir kurz nach 1 Uhr Mittags nach insgesamt 19(!) Stunden Busfahrt endlich Mrauk U erreichen. Wir finden ein günstiges Zimmer und sind völlig fertig von dieser Odyssee. Während wir da so in unserem Bett dösen bekommen wir Besuch von einer Fledermaus, einer Ratte und einigen Geckos. Wie wird das erst in der Nacht werden?

Nachdem wir bis um 16.00 Uhr im Bett dösen, beschließen wir, dass es so nicht weitergehen kann und dass wir unsere kurze Zeit hier im Ort nutzen müssen! Also spazieren wir durch das Dorf und erkunden die Palastruinen und die zwei wichtigsten Tempel in der Nähe. Im Gegensatz zu Bagan erinnert die Architektur hier von außen eher an Militärbunker und von innen an mysteriöse Höhlen mit spiralförmig verlaufenden Gängen.

DSC04226-1 DSC04206-1

Ein Blick in die äußere Spirale
Ein Blick in die äußere Spirale
Nirgendwo sind wir sicher vor der Betelnussspucke
Nirgendwo sind wir sicher vor der Betelnussspucke
Badezimmerlook deluxe
Badezimmerlook deluxe

DSC04230-1 DSC04235-1 DSC04242-1 DSC04254-1 DSC04246-1 DSC04245-1

angeblich Buddhas Fußabdruck
angeblich Buddhas Fußabdruck

DSC04216-1 DSC04272-1 DSC04395-1 DSC04398-1

Donnerstag, 11.02.2016

Zum Frühstück haben wir etwa 30 Minuten damit zu kämpfen eine leere (Tee)Tasse zu bekommen. Nachdem auch das nach drei vollgefüllten Tassen (2x Kaffee und einmal Schwarztee) geklappt hat, machen wir uns auf zu einem Reisebüro.

Unsere Tassensammlung bevor wir endlich die gewünschte leere Tasse bekommen. (Wie man sieht unterscheiden sich hier Kaffee und Schwarztee farblich nicht wirklich)
Unsere Tassensammlung bevor wir endlich die gewünschte leere Tasse bekommen. (Wie man sieht unterscheiden sich hier Kaffee und Schwarztee farblich nicht wirklich – geschmacklich auch kaum: Zuckermilch mit Aroma)

Wie kommen wir von hier zum Inle Lake ohne 24 Stunden im Bus und eine Nacht in einem Kaff zu verbringen? Fazit: das Verkehrsnetz hier in Myanmar entzieht sich jeglicher Logik, ist ein ziemlicher Dreck und nebenbei noch ziemlich teuer. Wir bitten noch bei zwei weiteren Travelagencies um Hilfe, doch die kennen sich schlechter aus als wir. Nach nur 5 Minuten Eigenrecherche (lokale SIM-Karte sei Dank) könnten wir ihren Job übernehmen und dabei noch bessere Auskunft geben. An diesem Morgen bekommt Lisa einen kleinen Grant: nicht nur wegen der Unfähigkeit der Travelagencies (sie haben EINEN Job) sondern aufgrund zweier anderer Gründe:

  1. Es gibt keinen passenden Flug, nicht einmal einen nur halb passenden. Alle Flüge gehen nur sternförmig von Yangon aus. Stimmt nicht ganz, denn es gibt einen Flug vom Inle Lake hier in die Nähe, ABER der existiert NICHT in die ANDERE RICHTUNG!?!?
  2. Wir wollten ein Moped ausborgen aber das ist hier für ausländische Touristen nicht erlaubt! „Grund“: ein Tourist hat sich einmal verletzt. Was bei den Verkehrsverhältnissen hier definitiv nicht die Schuld des Touristen war. Abgesehen davon, sind wir Erwachsene Menschen, die selbst entscheiden können, welche Risiken wir eingehen möchten. Das ist ja so als würde Österreich nach dem Unfall von Prinz Friso allen Holländern das Ski fahren verbieten.

Genug geärgert nun zurück zur Planung unserer Weiterreise:

Im Endeffekt entscheiden wir uns für ein Boot nach Sittwe, ein Flugzeug von Sittwe nach Yangon und anschließend ein Nachtbus von Yangon nach Kalaw. Das ganze dauert zwar auch fast 24 Stunden, ist aber wesentlich komfortabler und mit vielen Verschnaufpausen verbunden. Außerdem ermöglicht es uns den geplanten Trek zum Inle Lake um einen ganzen Tag früher zu starten, als wenn wir die Reise nur mit Bussen antreten würden.

Und statt des Mopeds werden es halt zwei Räder um die etwas weiter entfernten Tempel zu besuchen. ?

Kurze Nebenbemerkung zum Busticket:
Das haben wir übers Telefon bei Greentickets bestellt, einem Anbieter den wir in Mawlamyine über ein Poster entdeckt haben. Der Mitarbeiter war völlig erstaunt, dass am anderen Ende des Telefonhörers ein ausländischer Tourist sitzt. Es hat aber alles sehr gut geklappt, sie haben das Ticket für uns gekauft und einfach darauf vertraut, dass wir es schaffen werden ihnen per Banküberweisung das Geld zukommen zu lassen. Endlich eine Travelagency, die was auf dem Kasten hat! Außerdem können wir jetzt sagen, dass wir in Myanmar Geld überwiesen haben. Auf die altmodische Art in der Bankfiliale und ganz ohne elektronische Hilfe. ?

Und weil wir schon bei Nebenbemerkungen sind, folgt jetzt auch noch eine ganz witzige Geschichte:
Vor ein paar Tagen haben wir bemerkt, dass der Sensor unserer Kamera anscheinend dreckig ist. (Nicht die Linse, denn die haben wir schon brav geputzt). Als wir dann hier in einem der Tempel einen Hobbyfotografen mit relativ großer Kameratasche sehen, fragt Lisa gleich mal ob er zufällig einen Putz-Pinsel für den Sensor hat. „I don’t speak English. French?“ OK, theoretisch sollte Französisch ja für uns auch kein Problem darstellen. Flo hat ja sogar drei Monate in Frankreich in der Schule verbracht, in Französisch maturiert und ein Semester Französisch auf der Uni als Wahlfach belegt. Lisa setzt also alle Hoffnung auf Flo und schaut ihn erwartungsvoll an während sie ihm die Kamera reicht. Er nimmt sie in die Hand und bereitet sich auf einen französischen Satz vor. „Le Sensor.. eeeh…“ Flo schraubt das Objektiv ab und zeigt auf den Sensor: „Not. clean.“ Aaaahja, das hätte Lisa auch ohne Probleme hinbekommen ?

DSC04284-1 DSC04288-1

Die vielen "Monster" hier in den Tempeln finden wir ja eher lieb als furchterregend
Die vielen „Monster“ hier in den Tempeln finden wir ja eher lieb als furchterregend

DSC04316-1 DSC04338-1 DSC04377-2

Freitag, 12.02.2016

Pünktlich um 06:30 stehen wir am Hafen, wo wir uns an einem Strassenstand noch schnell eine Suppe kaufen. U.N.E.S.S.B.A.R. S.C.H.A.R.F.

Schnell springt noch ein unpünktlicher Fahrgast an Board
Schnell springt noch ein unpünktlicher Fahrgast an Board
Maßanzug
Maßanzug
Beim Versuch uns zu überholen ist der Kapitän dieses kleinen Schiffes scheinbar eingeschlafen und mit uns kollidiert
Beim Versuch uns zu überholen ist der Kapitän dieses kleinen Schiffes scheinbar eingeschlafen und mit uns kollidiert

Die Bootsfahrt dauert etwa 5 Stunden. Wir essen noch schnell ein Mittagessen in der Stadt und fahren anschließend zum Flughafen. Abflug: 16:20. Es stellt sich heraus, dass unsere Fluglinie scheinbar erst seit November existiert und dementsprechend zeigt sie sich noch hoch engagiert. Es gibt während des 60 minütigen Fluges Getränke, zwei Kuchen, Gesichttücher und zum Abschied auch noch Zuckerln. Wir sind begeistert. Nur verstehen konnten wir nichts, selbst die angeblich englischen Durchsagen. Während wir in Yangon auf unser Gepäck warten – welches man sich übrigens einfach selbst aus dem Gepäckswagen holt – reden wir mit einem älteren holländischen Ehepaar und stellen mal wieder fest wie klein diese Welt eigentlich ist: Ihre Eltern stammen ursprünglich aus Österreich/Eggenburg und ihre Tante besitzt dort noch eine Wohnung und kannte wahrscheinlich Flos Großmutter.

Noch schnell eine riesige Pagode in Sittwe besichtigen....
Noch schnell eine riesige Pagode in Sittwe besichtigen….
Check-in Schalter
Check-in Schalter

Photo_2.png

Gepäcksannahme
Gepäcksannahme

Mit dem Taxi geht es weiter zum Busbahnhof, wo wir Abendessen und anschließend um Punkt 19.00 Uhr in unseren VIP Bus nach Kalaw einsteigen.

2 Gedanken zu „Mrauk U

    1. Achja, das hätten wir vielleicht erwähnen sollen: es steht hier in Myanmar an quasi jedem Tisch immer eine Teekanne mit Grüntee bereit. Dafür braucht man nur eine leere Tasse, die normalerweise auch daneben steht, aber in diesem Fall eben nicht ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.