Goldenes Birma

Sonntag, 24.02.1016 24.01.2016

Unser erster Tag in Myanmar (Burma). Zu aller erst die Frage: Burma, Birma oder Myanmar? Eine sehr schwierige Frage mit eigentlich keiner richtigen Antwort. Im Jahre 1988 änderte die damalige Militärregierung den offiziellen Namen des Landes von Burma auf Myanmar. Oppositionelle Gruppen verwenden jedoch bis heute den vorherigen Namen Burma. Tatsächlich ist aber Myanmar der ältere Name und wurde unter anderem schon im Jahre 1190 in einer Inschrift in Bagan verwendet. Der Name Burma hingegen stammt von den britischen Kolonialherrschern und bezieht sich eigentlich nur auf eine der vielen ethischen Gruppen des Landes: die Birmanen/Burmesen/Bamar.

Unser erstes Frühstück besteht aus Toast, „Erdbeer“-Jelly und einem harten Ei, welches, nachdem Versuch es zu schälen nur mehr die hälfte der Größe aufweist. Danach gehts auf zum Markt. Alles hier ist viel indischer als wir gedacht hätten. Die Männer tragen wieder (wie in Sri Lanka) Sarongs und kauen auch leider wieder ihre widerlichen Betelnüsse. Eine Art Aufputschdroge, die gekaut wird und den Speichel und Mund rot färbt. Doch dazu werden wir uns noch ein andres Mal detaillierter auslassen. (Widerlich). Der Markt stellt sich leider als sehr uninteressant heraus, und wir setzen uns an einen Straßenstand um einen „Shake“ zu trinken. Überall sehen wir die frischen Erdbeeren und freuen uns auf unseren Erbeershake. Dies stellt sich dann als ein mit der Hand zerquetschter Erdbeergatsch mit Wasser und viiiiieeel Zucker heraus. Und als wir dann sehen wie neben uns ein kleines Kind diese Erdbeeren zerstampft wird uns klar, dass dieser Shake-kauf wohl nachhaltig nicht korrekt war. ? Wir werden in Zukunft darauf achten.

Kolonialer "Charme" wie ihn der Lonely Planet beschreibt
Kolonialer „Charme“ wie ihn der Lonely Planet beschreibt
Coole Nähmaschinen
Coole Nähmaschinen
Betelnüsse werden mit irgendeinem Kleister zusammen in ein Blatt gesteckt und zum Kauen verkauft
Betelnüsse werden mit irgendeinem Kleister zusammen in ein Blatt gesteckt und zum Kauen verkauft
Unser Shake/Gatsch
Der Shake/Gatsch..
Unsere "Shake-Köche"
..und unsere „Shake-Köche“ 🙁

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Anschließend gehen wir weiter und kosten an verschiedenen Straßenständen das angebotene Streetfood. Teilweise sehr gut, teilweise sehr scharf. Nach diesem Mittagessen geht es auf zur Shwedagon Pagode, dem wichtigste buddhistischen Tempel der Stadt und möglicherweise auch des Landes. Angeblich beinhaltet diese 100 Meter hohe Pagode 8 Haare des Gautama Buddha und weitere Reliquien dreier früherer Buddhas. Laut Lonely Planet besteht diese mit Goldplatten und Edelsteinen besetze Pagode aus insgesamt 27 Tonnen Gold (!).

Doch nicht so hastig: sind wir denn überhaupt korrekt gekleidet? Laut dem strengen Türsteher-Team nicht. Lisa hat sich in weiser Voraussicht extra einen bodenlangen Rock angezogen und ein Tuch für die Schultern und Arme mit. Dieses Outfit hat bis jetzt immer ohne Probleme funktioniert und Flo hatte soundso noch nie Probleme, da er ein Mann ist. Doch diesmal reicht es wohl nicht, denn als sie uns einmal von oben bis unten von jeder Seite begutachtet haben meinen sie, dass Lisas Rock einen Schlitz auf der Seite aufweist, der möglicherweise Beinhaut zeigen könnte und Flos Hose zwar die Knie bedeckt aber nicht vollständig. Wir müssen jeweils zusätzlich zu dem Eintrittspreis von 8$ noch 5$ für einen Sarong bezahlen. Vor allem Lisa ärgert sich, da sie ja extra dran gedacht hat und der Grund wirklich lächerlich ist. Praktischerweise haben wir eine Sicherheitsnadel mit, mit der das Problem des teuflischen Schlitzes behoben wird. Und Flo muss sich halt wohl oder übel hier einen Sarong kaufen. Noch schnell die Schuhe ausziehen und schon können wir endlich die Gold- und Glitzerlandschaft begutachten.

Leider Gottes haben wir uns in der schon langen Zeit hier in Asien noch nicht an die (unser Meinung nach grauslichen) Gewohnheiten Rotz und Speichel betreffend gewöhnen können. Überall wird gespuckt und der von den Betelnüssen rot gefärbte Speichel klebt an vielen Wänden. So auch hier an diesem eigentlich heiligen Ort. Die Tatsache, dass wir hier barfuß herumgehen müssen wird uns zum Verhängnis. Jeder von uns schafft es einmal in einen undefinierbaren Schleim zu steigen. Mmmmmhmhh

Außerdem stellen wir fest, dass die Burmesen diese Tempelanlage auch als Schlaf bzw. Picknickort verwenden. Flo passt sich gleich an die hiesigen Bräuche an und schläft auch ein Weilchen während Lisa brav Fotos schießt.

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Handy aus der Tasche holen schaut mit Sarong sehr interessant aus
Handy aus der Tasche holen schaut mit Sarong sehr interessant aus
Buddhas werden mit Wasser übergossen und wir sind eifersüchtig auf die Dusche
Buddhas werden mit Wasser übergossen und wir sind eifersüchtig auf die Dusche

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Alle schlafen..
Alle schlafen..

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Flo passt sich an
Flo passt sich an

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Auch Katzen sind brave Tempelbesucher
Auch Katzen sind brave Tempelbesucher

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Flo ist eindeutig zu groß für die hiesigen Teleskope
Flo ist eindeutig zu groß für die hiesigen Teleskope
Ein bisschen Schlatze hier und da macht alles authentisch
Ein bisschen Schlatze hier und da macht alles authentisch

Anschließend besuchen wir noch einen nahe gelegenen Park und treffen eine Gruppe junger Westler, die hier z.B. als Lehrer in Privatschulen unterrichten.

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Wie so oft in Südostasien, werden wir auch hier Zeugen eines Hochzeits-shootings
Wie so oft in Südostasien, werden wir auch hier Zeugen eines Hochzeits-shootings

Am Abend geht es Richtung China Town um erneut burmesisches/chinesisches Streetfood zu kosten.

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Lisa probiert Kokosgatsch in Teighülle
Lisa probiert Kokosgatsch in Teighülle

Montag, 25.01.2016

Heute wollen wir weiter in den Süden nach Kinpun zum Golden Rock. Laut dem Hotelangestellten können wir einen Zug um 12.00 Uhr Mittags nehmen. Diese Information stellt sich am Bahnhof dann leider als falsch heraus und der nächste Zug geht erst um 18.45 Uhr am Abend. Hmm. Nagut dann nehmen wir halt den. Die Alternative wären Busse, diese sind jedoch um ein vielfaches teurer und fahren angeblich auch erst frühestens um 16.00 Uhr ab. Wir treffen ein deutsches Pärchen, dass ebenfalls vor hat unseren Zug zu nehmen. Um die Zeit mit unserem Gepäck tot zu schlagen beschließen wir spontan eine vom Lonely Planet vorgeschlagene Rundfahrt mit dem Zug zu machen. Dazu werden wir zuerst zu einem anderen Ticketschalter verwiesen und anschließend zum Bahnsteig 7. Am Weg dorthin werden wir aufgehalten und doch zu Bahnsteig 4 gelotst. Dort steigen wir auch schon in den noch stehenden Zug ein und warten auf die Abfahrt. Doch schon nach 5 Minuten steigen nach einer Durchsage alle Einheimischen aus und erklären uns, dass es der falsche Zug ist und wir alle zu Bahnsteig 1 müssen. Wieder werden wir am Weg von einem Bahnhofbeamten aufgehalten der meint, dass wir und paar Andere zurück in den Zug gehen sollen und weiter warten sollen. Ok. Schlussendlich werden wir erneut aus dem Zug geholt und zum Bahnsteig 5 verwiesen wo wir in den einfahrenden Zug steigen sollen. Dieser Zug stellt sich dann als tatsächlich richtig heraus und wir starten die Rundfahrt. Diese dauert etwa 3 Stunden und man tuckert dabei durch die Vororte Yangons während Einheimisch ein – und aussteigen.

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Essen ist auch immer im Angebot, Bussis darf man sich aber keine geben
Essen ist auch immer im Angebot, Bussis darf man sich aber keine geben
Einheimischer kurz vorm Absprung bei seiner Kreuzung
Einheimischer kurz vorm Absprung bei seiner Kreuzung
Zum Flugzeug-schauen wird schon mal geklettert
Zum Flugzeug-schauen wird schon mal geklettert
Up-Cycling nach Myanmar style
Up-Cycling nach Myanmar style

Während der Fahrt beginnen wir richtig hungrig zu werden und so gehen wir gleich nach der Wieder-Ankunft in Yangon zu einem Shan-Noodle-Shop (die Shan sind eine der 15.916.270.476.300.158 ethnischen Gruppen hier in Myanmar) und sind überrascht, wie gut es schmeckt, denn viele haben uns vorgewarnt und gemeint, das Essen in Myanmar sei nicht gut. Um die letzten 2 Stunden vor der Zugfahrt noch gemütlich zu verbringen setzen wir uns in ein nett aussehendes Cafe, das unter anderem Acid Trips anzubieten hat.

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In der Bar bitten wir die Angestellten ein Hotel in Kinpun anzurufen, da wir planmäßig erst um 23.00 Uhr in Kyaikto (10km von Kinpun entfernt) ankommen und da wahrscheinlich keine Busse/Pickups mehr nach Kinpun fahren werden und die Unterkünfte direkt beim Bahnhof eventuell bereits geschlossen haben könnten. Eine/r amerikanische BurmesIn (wir sind uns bis jetzt über das Geschlecht unklar) mischt sich ein und meint, dass der Zug den wir haben eine Katastrophe ist und überhaupt nichts für uns und wir sollen doch den Bus nehmen, der fährt direkt nach… und dort ist dann auch ein Raum wo wir schlafen können gratis.  Und überhaupt das Zugticket haben wir zwar schon gezahlt aber „that’s 2$, that’s nothing!“. Das die Cafe-Angestellten im Hintergrund alles mithören scheint ihr/ihm nicht unangenehm zu sein. Uns dafür umso mehr. Leider war sie schwer abzuwimmeln und wir wussten ja nicht wirklich bescheid und so ging Flo mit ihm/ihr zum Busschalter 3 Minuten entfernt und kauft uns zwei Tickets für 21.00.

Im Bus: EISKALT wie erwartet. Wir kennen die asiatischen Busfahrer und ihre Liebe zum sibirischen Winter zwar schon aber dennoch haben wir mal wieder unterschätzt wie kalt es wirklich wird. Nicht so die Einheimischen, die kommen bei einer eigentlichen sommerlich warmen Außentemperatur mit Daunenmänteln und Wollmützen bekleidet in den Bus (kein Scherz!). Über unseren Sitzen sind zwei Wolldecken verstaut und da in fast allen Nachtbussen der letzten Wochen Decken für jeden Fahrgast vorhanden waren, nehmen wir sie uns. Diese stellen sich im Laufe der Fahrt leider als privates Eigentum eines weiter vorne sitzenden Fahrgastes heraus. Dieser macht uns nämlich nach einiger Zeit des Nutzens mit einem sehr unliebsamen „DON’T TOUCH! DON’T TOUCH!“ darauf aufmerksam.

Um 2.00 Uhr Nachts erreichen wir den Ort Kinpun. Hier ist die Außentemperatur dann tatsächlich kaum wärmer als im Bus und wir bekommen einen Ort im „Schlafsaal“ zugewiesen. Wir hängen unsere Hängematten auf und stellen fest, dass es trotz mittlerweile 10 Kleidungsschichten eiskalt von unten kommt. Es ist nun das erste und bis jetzt einzige Mal an dem wir unsere Isomatten vermissen. Wir planen eventuell, gemeinsam mit einigen der Einheimischen aus dem Bus um 4 Uhr morgens die Pilgerwanderung auf den Berg zu starten. Jedoch beginnt es leider um etwa 03.00 Uhr furchtbar zu schütten, so dass wir diesen Plan gleich wieder verwerfen. Das waren also unsere willentlichen 30-40 Minuten des Pilgerdaseins.

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Dienstag, 26.01.2016

Regen, kalt, regen, kalt. Trotzdem bleiben wir bis etwa 09.00 in unseren Hängematten liegen. Anschließend machen wir Bekanntschaft mit dem wohl grindigsten Klo der Welt. Der Gestank war (un)menschlich und dank der vermeintlichen Betelnuss-Schlatze an den Wänden könnte man meinen hier wurde jemand umgebracht. Ein kleines Loch in der Ecke dienst als Abfluss… (Also nichts fürs große Geschäft ;))

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Bei den Temperaturen verstehen wir dann auch warum hier alle Suppe zum Frühstück essen und tun es den Einheimischen gleich. Wir machen und auf die Suche nach einem Hotel und verbringen die nächsten Stunden am Lesen unter einer warmen Wolldecke. Als dann der Regen tatsächlich aufhört beschließen wir schnell doch noch heute den Golden Rock zu besichtigen und gehen zur „Bus“station. Dort dienen Laster mit Bänken auf der Ladefläche als Shuttle um in nur 30 Minuten die Pilgerstätte am Berg zu erreichen. Abgefahren wird erst wenn (mehr als) genug Passagiere da sind.

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Wir haben großes Glück, denn wir erreichen die Endstation noch trocken. Kaum oben angekommen beginnt es zu Schütten. Der Weg zum Golden Rock ist gesäumt von kleinen Lokalen und Souvenirständen. Nicht für westliche, sondern für einheimische Touristen und Pilger. Wir setzen uns wo unter und trinken Tee bis der Regen aufhört.

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Disneyland Eingang
Disneyland Eingang

Jetzt aber auf zum Heiligtum. Dann heißt es Schuhe (und Socken) ausziehen. WAS? Bei den Temperaturen? Es sind ja noch 800 Meter bis zum Golden Rock und das hier kann doch unmöglich zu heilig für Schuhe sein: burmesischer Tschesolo-Mariazell-Mix mit unendlich hässlichen Souvenirständen, Handy- und Mobilfunkläden, Hotels,…. Das ganze denken wir uns natürlich nur und ziehen brav unsere Schuhe UND SOCKEN aus.

Es ist echt ein Jammer wie es tatsächlich möglich ist, eine doch wirklich tolle Naturformation und alte buddhistische Stätte so zu verschandeln. Hat man es allerdings erstmal geschafft den Badezimmerfliesen-Look der Umgebung auszublenden, so kann man sich doch die Schönheit und Spiritualität/Magie dieses Ortes vorstellen und vielleicht sogar ein wenig wahrnehmen.

Die gesamte Anlage um den Golden Rock..
Die gesamte Anlage um den Golden Rock..
..ist nicht die schönste
..ist nicht die schönste

 

Lisa darf leider nicht hinein..
Lisa darf leider nicht hinein..
..dafür möchten die Einheimischen mit ihr fotografiert werden
..dafür möchten die Einheimischen mit ihr fotografiert werden
Er kann auch schön sein
Er kann auch schön sein

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"Scherper" schleppen die Gepäckstücke der Pilger nach zu den Hotels am Gipfel
„Scherper“ schleppen die Gepäckstücke der Pilger nach zu den Hotels am Gipfel

Mittwoch, 27.01.2016

Heute geht es mit einem Pickup-Bus weiter nach Hpa-An. Der Fahrer ist einem Höllentempo unterwegs und nicht nur einmal haben wir Angst unser letztes Stündlein hätte geschlagen.

Eigentlich haben wir vor am Nachmittag den Berg Zwegabin zu besteigen und die Nacht in dem Kloster am Gipfel zu verbringen. Kaum in Hpa-An angekommen wird uns jedoch mitgeteilt, dass es angeblich regnen soll und tatsächlich kann man in der Ferne Regenwolken erkennen. Nach dem Mittagessen entscheiden wir uns doch in der „Stadt“ zu bleiben und suchen eine Unterkunft. Da fast ganz Hpa-An ausgebucht ist, ist das auch unser Nachmittagsprogramm. Zum Sonnenuntergang besuchen wir die nahe gelegene Bat-Cave aus der in der Dämmerung abertausende Fledermäuse fliegen. Die Armen machen das jeden Abend aufs gleiche und werden dabei von hungrigen Raubvögeln gejagt. Ein paar Fledermäuse werden täglich vernascht.

Am Weg zur Höhle
Am Weg zur Höhle
Bald ist es so weit, die Sonne ist schon untergegangen
Bald ist es so weit, die Sonne ist schon untergegangen

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Zufällig treffen wir dort auch auf das deutsche Pärchen, welches wir am Bahnhof in Yangon gesehen haben. Wir beschließen anschließend gemeinsam essen zu gehen und verbringen einen sehr lustigen Abend zu viert.

Donnerstag, 28.01.2015

Und es geht wieder weiter. Diesmal nach Mawlamyine. Dort organisieren wir uns gleich für den selben Tag einen Nachtbus nach Mandalay. In der Zeit bis dahin erkunden wir ein wenig die kleine Stadt:

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Hier können wir den kolonialen Charme tatsächlich sehen

Am Abend geht es dann 13 Stunden in einem eisigen Bus (was sonst) nach Mandalay. (13 Stunden kommen uns jetzt beim schreiben abartig lang vor, doch im Travel-Alltag nehmen wir diese Fahrzeiten schon als normal hin)

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