Killing Fields

Freitag, 25.12.2015

Schlimmer als die Bohrmaschine aus Battambang! Lisa hat mit ihren Pfadfinderfreunden ein Skype Date um 01.00 Uhr Wiener Zeit also bei uns um 07.00 Uhr. Flo, der in Ruhe vor sich hin döst wird von gefühlten 100 Partygästen aus dem Schlaf gerissen!!! ??

Nach dieser kurzen Skype session legt sich auch Lisa noch mal aufs Ohr und wir verlassen das Zimmer erst gegen Mittag. Weil Lisas Freunde uns für unsere bisherige Feigheit bei der Essenswahl gerügt haben (keine Schlangen, keine Käfer) entscheiden wir uns für kambodschanische Froschschenkel zum Frühstück/Mittagessen. Schmeckt – ja, ja Klischee und so, aber es stimmt! – wie Hendl!

Mmmmh Hendl.. ääh Froschschenkel
Mmmmh Hendl.. ääh Froschschenkel

Danach beschäftigen wir uns ein wenig mit der kamboschandischen (Zeit-)Geschichte und fahren mit einem Tuktuk zu den Killing Fields von Choeung Ek. Was sich hier abgespielt hat ist eigentlich nicht in Worte zu fassen. So unfassbar grausam und unmenschlich! Als die Khmer Rouge 1975 an die Macht gekommen sind, haben sie sämtliche Städte innerhalb von 2 Tagen evakuiert und die – in ihren Augen – reinste Form des Kommunismus gegründet. Das bedeutet, dass sämtliche Einwohner die selbe Kleidung und Frisur tragen sowie im Agrarsektor tätig sein mussten und somit alle Intellektuellen Menschen (soll heißen: Mediziner, Lehrer, Brillenträger, Menschen die eine Fremdsprache sprechen konnten…) unnötig, ja sogar gefährlich waren und daher (mit samt der ganzen Familie) umgebracht wurden. Im Laufe der 4 jährigen Machtperiode wurden die roten Khmer – allen Voran der Anführer Pol Pot – immer paranoider und haben schlussendlich täglich mehrere 100 Menschen inklusive ihrer gesamten Familien getötet. Insgesamt wurden in den 4 Jahren von den ursprünglich ca. 7 – 8 Millionen Einwohnern 1,7 – 2,2 Millionen umgebracht!

Aus Geldmangel wurden keine Schusswaffen, sondern Hammer, Keulen oder ähnliches als Tötungswaffen benutzt. Auch Babies wurden aus Angst vor einem zukünftigen Rachezug an Bäume geschmettert und in Gruben geworfen.

Wirklich harter Tobak.

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Massengräber
Massengräber

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Überall wandern immer noch Kleidungs- und Knochenreste an die Erdoberfläche
Überall wandern immer noch Kleidungs- und Knochenreste an die Erdoberfläche

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Gedenkstupa mit mehreren Tausend Totenköpfen
Gedenkstupa mit mehreren Tausend Totenköpfen

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Nach diesem Anblick ist es aber noch nicht vorbei, denn wir besuchen noch das Tuol Sleng (bzw. S21) Gefängnis von dem aus die Gefangenen Reihenweise zu den Killing Fields gefahren wurden. Hier erwarten uns hunderte Portraitfotos, die den eben gesehenen Totenköpfen Gesichter geben und unsere Stimmung daher noch ein wenig weiter drücken.

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Der Stacheldrahtzaun diente der Suizidprävention
Der Stacheldrahtzaun diente der Suizidprävention

Ein guter, kurzer Artikel zu dem Thema ist auf Focus Online.

Viele Tuktukfahrer hätten nach den Killing Fields statt dem Gefängnis auch einen Ausflug zu einer Shooting Range mit Maschinengewehren und Raketenwerfern im Angebot. Das ist ein Package! Killing Fields und dann Shooting Range!? Was zum Teufel, das ist das mit Abstand taktloseste Touristenangebot, das man sich nur vorstellen kann. Bleibt nur die Frage, wer die Menschen sind, die dieses Angebot tatsächlich wahrnehmen.

Zu Hause angekommen skypen wir mit Lisas Familie und Flos Mutter und verarbeiten diese grausamen Anblicke erstmal mit einem recht langen Gespräch. Nach dieser kurzen Therapiestunde fühlen wir uns schon ein wenig besser und gehen noch Abendessen. Leider haben wir völlig auf unsere geplante Aerobic Stunde vergessen und können daher doch keinen Erfahrungsbericht schreiben. ?

2 Gedanken zu „Killing Fields

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