Oh Gott, Kandy!

Mittwoch, 11.11.2015

Nach den vielen Tempeln im Kulturdreieck fahren wir also weiter nach Kandy, wo sich die Quartiersuche als eher mühsam herausstellte weil wir unser Schicksal in die Hände eines Tuktukfahrers legen (dieser Fehler wird uns in Kandy noch ein zweites mal passieren).

Er scheint nett zu sein und meint, dass er uns in ein zentral gelegenes Guesthouse zu einem angemessenen Preis führen kann. Wir fragen, ob das Hostel in der Nähe vom Queen Hotel (Zentrum) ist und er antwortet mit ja, „backside“. Ok also fahren wir mit. Tatsächlich stellt sich „backside“ nicht als die Rückseite des Queen Hotels, sondern die andere Seite des Kandylakes heraus. Überhaupt nicht zentral also. Der Preis stimmt auch nicht. Er bringt uns zu einem weiteren Guesthouse. Preis stimmt, aber das Hotel liegt noch weiter außerhalb als das Vorige. Wir machen ihm klar, dass wir zentral wohnen wollen und rufen bei einem im Internet gefundenen billigen Hotel an um vorzureservieren. Er soll uns doch bitte dort hinbringen. Er willigt ein, fährt aber stattdessen nochmal beim ersten Guesthouse vorbei, wir können es auch billiger haben. Checkt er es etwa nicht? „No, this is to far from the center!“

Wir bleiben stur im Tuktuk sitzen bis er weiterfährt. Das vorreservierte Hotel ist dann doch eher schäbig, so dass wir uns doch noch ein weiteres, vom Fahrer empfohlenes Hotel anschauen. Diesmal wirklich zentral. Der Preis ist zwar etwas teurer, aber wir haben nach dieser Odyssee keine Lust mehr auf hin und her fahren.

Zum Abschied gibt er uns noch seine Telefonnummer, um uns morgen doch auch herumzufahren. Mit Sicherheit. Nicht.

Hui, jetzt sind wir aber hungrig. Gegen 21.00 Uhr verlassen wir das Hotel um uns auf die Suche nach einem Abendessen zu begeben. Das ist schwieriger als gedacht, denn um diese Uhrzeit schläft scheinbar halb Sri Lanka bereits.

Wir landen in einem ausgestorbenen, Neon beleuchteten Lokal und essen besonders grausliche Noodles mit Gemüse.

Ein Junger Tuktukfahrer kommt zu unserem Tisch und bietet uns für den morgigen Tag eine Tour um 1800Rupees (12€) an. Er zählt tausende Dinge auf, unter anderem den botanischen Garten und wir lassen uns seine Telefonnummer geben. Im Hotel angekommen überlegen wir, ob wir die Tour machen wollen, Flo wollte eigentlich ein Moped mieten um Kandys Umgebung zu erforschen. Das kostet normalerweise 10€ + Benzin, also quasi dasselbe. Am Moped kann Regen aber unangenehm werden, also entscheiden wir uns für das Tuktuk. Mal wieder ein großer Fehler.

Donnerstag, 12.11.2015

Um 09.00 Uhr holt uns unser Fahrer bei strahlendem Sonnenschein ab. Wir steigen ein und sagen, wir würden gerne in den botanischen Garten fahren. Er meint, Nachmittags ist das besser, fahren wir lieber vorher zu diesem und jenen Tempel und diese und jene Fabrik. Ok, whatever wird schon passen.

Den Anfang macht ein riesiger Buddha am Hügel, der eine ganz nette Aussicht hat.

Die Aussicht
Die Aussicht

Weiter geht es zu einer Edelsteinfabrik zu einer Teefabrik zu einem Herbal Garden und zu einer Batik Fabrik. Überall wird uns gezeigt, wie die verschiedenen Dinge hergestellt werden, nur um uns nachher die überteuerten Produkte anzubieten. Ein Provisionszahlender Ort nach dem anderen. Einzig die Teefabrik war wirklich interessant.

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Teeblätter am Trocknen
Teeblätter am Trocknen
Hier wird erhitzt oder so
Diese Maschinen werden mit dem Feuer im nächsten Bild angetrieben

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Und zwar mit diesem Feuer
Jetzt aber zu den zwei Punkten, warum diese Tuktukfahrt tatsächlich ein großer Fehler war:

Der Herbal Garden – Villa Herbarium

Wir haben uns hier diverse Produkte zeigen lassen: Gesichts- und Schultermassage inklusive. Unter anderem war da aber auch die „Natural Herbal Hair Removal Creme“ aus „rein natürlichen Stoffen“ wie Papayaöl etc. die auch tatsächlich funktionierte. Wir waren noch immer skeptisch, wenn das wirklich ohne Chemikalien funktioniert, wieso verwendet das dann keine von den tausenden Kosmetikherstellern in Europa/USA?

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Naja, am Ende unserer Massagen wurden wir dann in den Verkaufsraum gebracht und haben uns mehr oder weniger gezwungen gefühlt etwas zu kaufen. Drei Leute stehen um uns herum, wir sind die einzigen Gäste und alle schauen uns mit großen Augen an. Das einzig in Frage kommende Produkt war sowieso die Haarcreme. Wir brauchen keine Gesichts- oder Antifaltenöle. Beim Preis schlucken wir einmal tief runter. 5000 Rupees. Das sind 33€! Weil die Verkäufer ja ach so nett sind, geben sie uns aber 10% student discount.

Nagut, angeblich hat man nach 4 Wöchiger Anwendung 1,5 Jahre lang keinen Haarwuchs mehr. Das glauben wir zwar auch nicht, aber selbst wenn es nur 2 Monate sind, ist es einen Versuch wert. Wir geben ein bisschen widerwillig 30€ aus und wollen uns überraschen lassen.

Als nächstes wollen wir endlich in den botanischen Garten fahren, die Antwort unseres Fahrers: später, später, erst Mittagessen!

Dann halt Mittagessen… aber vorher noch ein Tempel! Wir erklären, dass wir  keine Tempel mehr brauchen. Leider ohne Erfolg, wir müssen ihn anschauen, denn er ist so toll und anders als alles im Kulturdreieck! Anders ist er, das stimmt, aber alle Statuen sehen aus wie aus dem Märchenpark im Burgenland. Leider völlig uninteressant.

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Dann gehen wir endlich mittagessen und siehe da: es fängt zu schütten an! Jetzt müssen wir auch nicht mehr in den botanischen Garten…

Und das ist auch schon der zweite Punkt: das einzige, was uns in Kandy interessiert hat (der botanische Garten) haben wir an diesem Tag nicht gesehen weil uns der blöde Fahrer aus irgendeinem Grund partout nicht hinbringen wollte.

Also lassen wir uns zum nächsten Punkt auf seinem Programm bringen: der Aussichtspunkt, den kennen wir schon weil unser Fahrer von Gestern auch unbedingt dort vorbei fahren wollte. Wir fahren also gleich weiter zu einem woodcarving shop. Weil uns diese Dinger nicht interessieren und er wieder nur Provision kassieren will, weigern wir uns auszusteigen. Also geht es zur vorher schon erwähnten Batik Fabrik. Hier gibt es wieder eine kurze Tour und später einen Verkaufsraum. Auch hier kaufen wir nichts.

Batik-Malerinnen bestreichen Stoffe mit Wachs um die Stellen vor Verfärbung zu schützen
Batik-Malerinnen bestreichen Stoffe mit Wachs um die Stellen vor Verfärbung zu schützen

Zum Abschluss wollen wir, dass uns unser Fahrer noch zum lokalen Markt bringt um den auch noch gesehen zu haben: Why? What you wanna buy?
Nichts! Wir wollen ihn einfach nur sehen.
Da der Markt nahe zu unserem Hotel ist, und wir den Fahrer nicht mehr sehen wollen, machen wir einen weiteren großen Fehler: wir bieten Ihm an hier zu zahlen und zu Fuß nach Hause zu gehen.

Statt den besprochenen 1800, möchte er jetzt plötzlich 3000 Rupees haben. Wir fragen ihn ob er wo angerannt ist und geben ihm nur die ausgemachten 1800. Er erklärt, dass der Tag doch so lange war und wir insgesamt mehr als 110 km gefahren sind etc. etc. Ist uns scheißegal wie weit die Tour war, du hast sie ausgesucht. Das einzige wo wir hinwollten und dich gleich in der Früh gebeten haben uns hinzubringen war der botanische Garten, und dort wolltest du uns einfach nicht hinbringen. Stattdessen bringst du uns von einer Provisionshütte zur nächsten. Wir steigen aus und gehen in den Markt hinein.

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Nach ca. 5 Minuten zeigt sich auch schon, warum die oben angesprochene Haarcreme sich als ein großes Ärgernis herausstellt: genau das gleiche Produkt gibt es hier am Markt für ein Zehntel des Geldes und es hat auch noch die originale Verpackung: voller Chemikalien!

Wir Idioten! Da haben wir uns vom Einserschmäh in der Touristenabzocke völlig über den Tisch ziehen lassen! Und noch dazu ist unser Fahrer schon über alle Berge, der hat nicht mal einen Cent von uns verdient!

Naja, hoffentlich lernen wir aus diesem Fehler! Wenn es unglaubwürdig wirkt, dann ist es das auch, also: traue Niemandem! Steige niemals in ein Tuktuk ein, es sei denn es handelt sich um eine stinknormale Taxifahrt mit ausgemachtem Ziel und Preis.

Zuhause angekommen, schauen wir auf unsere Rechnung vom Herbal Garden. Da steht tatsächlich eine Telefonnummer drauf! Wofür haben wir ein Sri Lankisches Handy, wenn nicht für ein paar Reklamationsanrufe ?

Es ist kaum zu glauben, aber es hebt tatsächlich jemand ab. Lisa meint, sie möchte das Produkt zurückgeben, weil es nicht den Erwartungen entspricht. Wie schon erahnt, sagt der Herr, dass man es nur umtauschen kann, aber kein Geld zurück bekommt. Er meint, dass er sich am Abend wieder bei uns melden wird, und dass er mit seinem Manager reden muss. Wir gehen Abendessen und lassen es uns beim Olde Empire Restaurant gut schmecken.

Freitag, 13.11.2015

Freitag, der 13. na ob der heutige Tag viel besser wird?
Wir telefonieren wieder mit dem Herbal Garden, da sich dieser nicht wie versprochen zurückgemeldet hat. Sein Manager ist leider in einem Meeting, in Colombo, das dauert den ganzen Tag… Er kann erst am Montag wieder anrufen. Dieses Geld sehen wir – wohl oder übel – nie wieder.

Anstatt ein Tuktuk zu nehmen, steigen wir heute in den Bus zum botanischen Garten. Das Wetter ist schlecht. Der blöde Fahrer von Gestern hat uns den einzigen schönen Vormittag mit unnötigen Fabriksbesuchen verschissen. Dabei wollten wir doch nur ein paar schöne Pflanzen sehen!

Während der Busfahrt wird aus dem bedeckten Himmel ein Regenschauer. Das kann ja was werden. Der regen hört kurz nach unserer Ankunft beim Garten auf und wir schauen uns den Park halt ohne Sonne an. Wenigstens ist dadurch die Temperatur erträglicher.

Die größte Attraktion, soll der uralte Ficus Baum sein, der eine Fläche von 2500m² überdeckt. So steht es zumindest im 2014 neu herausgegebenen, komplett aktualisierten Lonely Planet.

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Hmm.. Das sollen 2500m² sein? Lisa, die schon 2007 in Kandy war, hat den Baum auch wesentlich größer in Erinnerung. Flo googlet auf dem Handy und findet auf einer EINZIGEN Webseite den folgenden Artikel: A Stroll Through The Royal Botanic Gardens.

In the past, there was an astonishingly large Java Fig Tree sprawled out on the lawn, its branches covering about 2,500 square metres. Today, the original tree is no more. The Gardens‘ officers have however, succeeded in saving a branch of the tree. As a result the new Java Fig Tree, a smaller version of its predecessor, stands secure and full of promise. – März 2012

Aha. Nirgendwo wird das erwähnt. Keiner weiß Bescheid. Die ausgegebene Parkkarte hat noch immer einen riesigen Baum aufgezeichnet und erst der dritte Parkangestellte bestätigt uns, dass ein Großteil des Baumes nicht mehr steht: Big tree funeral.

Wann genau, wissen wir noch immer nicht. Obwohl Flo es zu seiner Tagesaufgabe gemacht hat das herauszufinden, konnten wir das Todesdatum nur auf Jänner 2012 einschränken.

Sehr schade, denn der Riesenficus wäre die Hauptattraktion für Flo gewesen. Wir finden dafür aber andere große Fici, Ficusse, Ficü?

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Später gehen wir noch durch die Palmenallee, den Orchideengarten und zum Riesenbambus…

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Links: Riesenbambus, Rechts: Ausgewachsene Menschen
Links: Riesenbambus, Rechts: Ausgewachsene Menschen
Keine Chance mit den Händen zu umfassen
Keine Chance mit den Händen zu umfassen

Einmal rufen wir noch beim Herbal Garden an. Das Meeting ist noch nicht zu Ende, blablabla. Aufgelegt. Ok, wir fahren hin! Haben ja sonst eh nichts besseres zu tun und sind schon am halben Weg dorthin.

Leider können wir auch vor Ort nichts erreichen und somit fahren wir geschlagen zurück nach Kandy ?

Wir spazieren einmal um den See herum und dinieren wieder einmal sehr gut im Olde Empire Restaurant.

[Notiz von Flo: der Titel des Beitrags ist übrigens Lisas Reaktion gewesen, wie sie draufgekommen ist welchen Beitrag wir als nächstes schreiben müssen. Fand ich ganz witzig!]

2 Gedanken zu „Oh Gott, Kandy!

  1. Hey ihr zwei,
    wir sind gestern auch im Villa Herbarium gewesen, haben eingekauft (und Tip gegeben), aber danach auf Google all die schlechten Ergebnisse gelesen sowie euren Beitrag. Irgendwie wollten wir die Sachen dann nur noch zurückgeben und auf jeden Fall nicht einnehmen! Zum Glück waren wir mit unserem Guesthouse Besitzer unterwegs, der sofort für uns dort angerufen hat und wir postwendend zurück gefahren sind und uns das Geld ohne Probleme zurückerstattet wurde (wir hatten mit Karte bezahlt, er gab es uns in bar). Ein Nachgeschmack bleibt… Auch weil wir uns fragen, woher die Google Bewertungen kommen. Woher wissen die denn, dass es kein echter Doktor ist dort? Mit uns hat er sehr gutes Deutsch gesprochen und meinte, er hätte vier Jahre an einem Krankenhaus in München Ayurveda gelehrt bzw. behandelt. Naja.
    Liebe Grüße, wir fahren jetzt zurück nach Colombo ?

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