Valle de Viñales – oder das eigentlich schöne Tal des Volltrottels

Dienstag 13.10.2015

Heute heißt es früh raus, um 8.00 Uhr müssen wir in der Hotellobby im Hotel Parque Central erscheinen, um den Bus nach Viñales zu nehmen. Die Lobby ist voll mit anderen Reisenden, die alle auf verschiedenste Busse warten. Es herscht reges Treiben: Busse kommen an und fahren wieder ab. Um 8.08 Uhr  zeigt Flo einem Hotelmitarbeiter unsere Tickets um sicher zu gehen, dass wir unseren Bus eh noch nicht verpasst haben. „Ahhh nein, nein die kommen nie pünktlich.“ Folglich machen wir es uns für die nächsten 30 Minuten in der Lobby gemütlich. Um 08:30 Uhr kommt schließlich unser Bus und wir fahren ab. 20 Meter weiter bleiben wir wieder stehen. Den Parque Central haben wir noch nicht verlassen. Anderes Hotel, andere Lobby, andere Leute. Ok und die 20 Meter konnten wir oder die nicht zu Fuß zurücklegen? Ist ja nicht so, dass wir keine 30 Minuten Verspätung Zeit hatten. Es sollte nicht unser letzter Stop in Havanna gewesen sein… Es geht von einem Hotel zum Nächsten und wir sind heilfroh, als wir endlich die Autobahn erreichen.

Es stellt sich heraus, dass die Autobahn hier in Kuba um einiges sauberer ist, als in den USA. Bzw. hier ist sie sauber und in den Staaten gleicht sie einer Mülldeponie. Dafür stehen im Gegensatz dazu hier alle paar Kilometer teilweise rauchende Autos mit einer Panne am Straßenrand. Meist mit einer, oder mehreren Personen schon zur Hälfte im Motorraum. Mit der Zeit wird es um uns herum immer ländlicher, der Straßenrand wird nicht mehr von stehenden Autos, sondern mittlerweile von Pferden und Kühen bewohnt.

Nach zwei kurzen Stopps bei einem Autobahnrestaurant und einer Tabakfabrik erreichen wir das Viñales Tal.

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Tabakblätter beim Trocknen
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Hier werden die Zigarren gepresst

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Kaum verlassen wir den Bus, werden wir schon belagert. Jeder möchte uns zahlende Touristen in seiner Unterkunft unterbringen. Wir drängen uns durch die Massen und sagen ca. 100 mal: no gracias, tenemos reservation (haben wir zwar nicht, aber wir haben was im Reiseführer ausgesucht).

Eine einzige Dame, lässt sich von dieser Lüge nicht abwimmeln und verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Ihr Preis liegt bei der Hälfte von dem, was die Anderen anbieten (inklusive Preisangaben im Lonely Planet) und somit geben wir ihr eine Chance.

Das Zimmer ist besonders klein und nicht besonders schön bzw. sauber, aber was solls. Der Preis ist gut und so viel Zeit werden wir hier nicht verbringen. Yeny (die Dame, die uns hergebracht hat) breitet auf dem Esstisch sämtliche Reiseprospekte der Umgebung aus und erklärt uns was es hier so zu tun gibt.

Höhlen, Tabakfabriken, Wander/Reittouren, Klettern, Strand. Wir beschließen den restlichen Tag auf Fahrrädern zu verbringen und uns ein paar Höhlen anzuschauen.

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Diese Höhle diente einst als Versteck für geflohene SklavenDSC03788
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Geschwindigkeit: 3km/h Es war zu Dunkel für die Kamera

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Am Abend essen wir in unserer Casa Particular einen sehr gut zubereiteten Lobster in Tomatensauce und sprechen dann noch mit einem Kletterguide.

Leider gibt es keine Route, bei der man sein Seil über Wanderwege und ohne Klettern ganz oben befestigen kann und wir entscheiden uns dementsprechend gegen einen Kletterversuch am nächsten Tag. Unsere gemeinsame Erfahrung beschränkt sich nämlich auf einen einzigen Marswiesenbesuch.

Statt dessen buchen wir eine Wandertour durch den Nationalpark im Tal und legen uns schlafen.

Mittwoch 14.10.2015

Nach dem Frühstück wartet unser Guide schon vor der Türe auf uns. Anstatt – wie ausgemacht – in einem Auto, ist er zu Fuß unterwegs. Das heißt, die erste halbe Stunde unserer 4 gezahlten Stunden verbringen wir damit den Eingang des Nationalparks zu Fuß zu erreichen.

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Am Fußweg zum Nationalpark
Am Fußweg zum Nationalpark

Wir verstehen gleich, warum der Guide mit Gummistiefeln ausgerüstet ist: es. ist. gatschig. Mit deuten und brüchigem Spanisch (Anm. Lisa: Flos Spanisch ist gar nicht so brüchig sondern toll!) versuchen wir klar zu machen, dass wir unsere Schuhe gerne nach diesem Vormittag weiterverwenden wollen und ob es denn so gatschig weitergeht. Der Guide versichert uns, dass es noch schlimmer wird. Also fragen wir, ob wir nicht doch auf Pferde umsteigen sollten um so dem Gatsch zu entkommen.

Seine Antwort: Pferde sind aber teurer. Das ist uns klar, ist kein Problem.
Wir gehen also davon aus, dass es am Pferd sitzend weniger Gatschprobleme gibt und machen bei seinem Freund, der Pferde hat halt.

Das ausgemachte Programm ändert sich dadurch nicht: Höhle, Schwimmmöglichkeit, Aussichtspunkt, Tabakplantage, Kaffeeplantage.

Großer Fehler.

Nicht nur, dass wir jetzt fast das doppelte an Geld ausgeben, die Gatschsituation hat sich durch die Pferde nur verschlimmert: sie werden andauernd von unserem Guide gepeitscht und gehetzt und marschieren mitten durch pferdebauch-tiefe Lacken bzw. Sümpfe und spritzen dadurch sämtlichen Dreck direkt auf uns.

Da Lisa ein Zwerg ist, sind ihr die Steigbügel zu lang und da die Ausrüstung ein völliger Mist ist, lassen sie sich auch nicht verstellen. Bei jedem Gepeitsche und folglichem schneller werden der Pferde, wird Lisa – die eindeutig keine geübte Reiterin ist – hin und her gebeutelt. Das verursacht mit der Zeit ganz schöne Schmerzen. Wir bitten den Guide langsamer zu gehen und er Antwortet nur: wenn sie langsamer gehen will, soll sie das Pferd halt bremsen. Aja, und eine Sekunde später peitscht du wieder von hinten drauf. Volltrottel!

Da der Guide weder Sattel noch Steigbügel hat, fragen wir ihn, wie er es macht nicht herumgebeutelt zu werden und ob er Tipps hat. Darauf gibt er eine genauso unbrauchbare Antwort wie auf die letzte Frage: Ich kann halt reiten.

Danke für die Hilfe!

Unsere Tour ist also leider von Lisas Schmerzen und Schimpfanfällen geprägt und wir können die Landschaft nicht genießen, geschweige denn Fotos machen. Das, obwohl man uns am Vortag versprochen hat, dass man bei einer Pferdetour überall stehenbleiben kann um ihn Ruhe zu fotografieren.

Jegliche Versuche auf dem Weg stehenzubleiben wurden von den Pferden ignoriert, sie sind nur bei ihren bekannten Orten zum Stillstand gekommen.

Der Guide hat in dieser Hinsicht auch keine Anstalten gemacht um uns zu helfen. Stattdessen kam immer wieder die gehasste Peitsche zum Vorschein. Dennoch ist es Lisa gelungen ein paar Fotos zu schießen:

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Das ist natürlich eine sehr harmlose Gatschsituation. Wenns brenzlig wurde, haben wir keine Fotos gemacht
Das ist natürlich eine sehr harmlose Gatschsituation. Wenns brenzlig wurde, haben wir keine Fotos gemacht

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Als erstes erreichen wir die Höhle, die sich als äußerst mickrig herausstellt, dafür war aber der Höhlenguide ganz witzig und eine nette Abwechslung zu unserem Deppen.

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Der Nächste Stopp war beim „Schwimmteich“. Dieser stellt sich als ähnlich ansprechend wie der Lookout Point in Havanna heraus, allerdings zählen wir diesmal nur zwei Kondompackungen. Dafür sind direkt hinter uns Bauarbeiten im Gange und das Wasser ist so unappetitlich wie der Donaukanal. Wir schwimmen nicht. Beim Platz wo unsere Pferde warten macht sich unser Guide und ein Freund einen Spaß daraus ihre an den Gummistiefel befestigten Sporen in den Bauch seines Pferdes zu treten. „NOOO!!“ ruft Lisa laut. Als Reaktion wird sie nur nachgeäfft. Lisa kocht vor Wut nur leider fehlen ihr die Nerven und die Wörter auf Spanisch um loszudiskutieren.

Weiter geht es zur Kaffee- und dann zur Tabakplantage. Bei beiden wird uns der Herstellungsprozess einigermaßen gut erklärt und direkt im Anschluss wird das Produkt auch gleich zum Kauf angeboten. Leider sind wir weder Raucher, noch Kaffeetrinker.

Hier wird Zuckerrohr gepresst, der Saft nennt sich Guarapa und ist picksüß. Nicht besonders gut.
Hier wird Zuckerrohr gepresst, der Saft nennt sich Guarapa und ist picksüß. Nicht besonders gut.

Schließlich meint der Guide, dass wir das Ziel in 10 Minuten erreichen (Lisa macht innerlich Freudensprünge). Flo fragt, ob dass denn der Aussichtspunkt ist? Der war schon bei der Kaffeeplantage, hat euch das der Typ nicht gesagt? Äh. Nein, hat er nicht. Außerdem war es dort flach und es gab genau keine Weitsicht. Was sollen wir tun, besser schnell zurück nach Hause, als noch weiter mit diesem Idioten umherzuirren.

Die Tour endet dort, wo wir die Pferde abgeholt haben und der Guide fragt, ob er ein Taxi organisieren soll. Flo meint, dass das ja laut unserer Lady in der Casa sowieso im Preis inbegriffen sein sollte. Was die in der Casa sagen, ist halt nicht immer so wie es ist.
Du blöder, unfreundlicher Vollwappler!

Wir gehen zu Fuß nach Hause.

Wenigstens haben die Schmerzen ein Ende, oder auch nicht? Scheinbar haben es Lisas Knöchel schlimmer erwischt, als ihr Hintern. Die zu langen Steigbügel haben beim Traben und damit verbunden bei Lisas eher unfähigen Versuchen sich irgendwie aufzusetzen ordentlich gerieben und sind auch scheinbar immer wieder gegen die Knöchel geknallt. Es bleiben zwei angeschwollene Knöchel mit Schürfwunden und blauen Flecken.

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So sahen beide Knöchel aus. Man beachte die Schwellung.

Anzumerken ist: Unsere Schuhe haben ausgesehen, als hätten wir sie direkt in den Gatsch fallen lassen (An aufmerksame Leser: keine Angst, es handelt sich bei Flos Schuhen eh um seine Alten und nicht die aus L.A.). Ganz im Gegensatz zu den Schuhen von vorbeigehenden Wanderern. Blitzeblank. Wir haben also das doppelte gezahlt um es vier mal so schlimm zu erwischen.

Am Nachmittag spazieren wir durch das Dorf und laden einen Blogartikel hoch. Danach organisieren wir uns ein Collectivo (Sammeltaxi) für den nächsten Tag nach Playa Larga. Dazu heißt es handeln, vergleichen und handeln und vergleichen. Im Anschluss treffen wir noch zufällig unseren Kletterguide in einem Lokal und plaudern mit ihm und seinem Freund. Wir wollen soviel wissen und verstehen: Wie funktioniert Kuba eigentlich? Kostet Strom und Wasser? Kostet das Wohnen? Stimmt es, das das staatliche Monatsgehalt 20-25 CUC (also $) beträgt? – Ja das tut es (bedenkt man, dass der Sprit hier soviel wie in Europa kostet, kann das System ja nur durch illegale Nebenjobs funktionieren). Schule, Uni und medizinische Versorgung sind gratis das wissen wir schon aber wie sieht es aus mit… usw usw. Verständlicherweise finden die Zwei das Thema nicht ganz so spannend: Cuba is crap. Fidel is crap. Noone that visits Cuba wants to stay here to live. 

Ein wenig haben wir dennoch lernen können: Everything can happen in Cuba. (Das Haus in dem du wohnst gehört Heute dir aber Morgen möglicherweise nicht mehr).

Wir gehen Abendessen und anschließend nach Hause.

Noch ein Foto beim Wegfahren aus Viñales
Noch ein letztes Foto beim Wegfahren aus Viñales

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