Grau in Grau

Samstag 26.09.2015

Während Flo den Laptop am Klo – bei der einzigen Steckdose weit und breit – auflädt, baut Lisa das Zelt alleine ab und räumt den Inhalt des Bär-Containers ins Auto (Essen, Kosmetik.. alles was irgendwie spannend riechen könnte).

Wir nutzen noch einmal das Gratis Internet vom gestrigen Restaurant aus und laden einen neuen Blog Eintrag hoch.

Es geht los zum Yosemite (Josämitti nicht Tschosemait) Nationalpark. Auf der Fahrt bemerken wir zum x-ten mal wie schäbig eigentlich die Straßen hier in den USA sind. Überall häuft sich der Müll an den Highwayseiten. Teilweise werden nicht mehr verwendete Straßenbaumaschinen zum rosten zurückgelassen. Tote Tiere sehen wir seit 3 Wochen täglich mehrmals. ? Die Zustände erinnern an Guatemala oder Indonesien. Es gibt scheinbar keine Gelder für das Säubern.. das funktioniert bei uns schon viel, viel besser.

Kurz vor Yosemite suchen wir noch einmal im Internet nach Free Camp Sites, finden aber leider nichts brauchbares und hoffen daher auf Informationen der Ranger im Park. Leider stellt sich heraus, dass auch sie nicht sehr informiert bezüglich der gratis Campingsituation außerhalb des Parks sind (innerhalb sowieso nicht möglich). Da hatten wir beim Grand Canyon also wirklich Glück mit unserem Ranger. Wenigstens konnte uns der nette Herr sagen, dass wir das nächste Gratis WLAN bei der öffentlichen Bibliothek finden, denn unser T-Mobile Handy hatte – wie fast immer ? – „Kein Netz“.

Die Bibliothek hat geschlossen, wir sind jedoch nicht die einzigen, die nur wegen des Internets vor der versperrten Türe sitzen. Eine Dame saß mit ihrem iPad da und sah so aus als ob sie sich in der Gegend auskennen würde – Cheryl. Also gehen wir auf sie zu und fragen, ob sie eine Ahnung bezüglich der Camping Situation hat – sämtliche bezahlten Plätze sind bereits voll (16.00 Uhr). Leider weiß sie auch nichts von den umgrenzenden National Forests, aber sie bietet uns netter weise ihren 5 Minuten entfernten Garten als Campground an.

Wir zögern nicht, und nehmen dieses Angebot gerne an. Im Konvoi geht es zu der besprochenen Cabin im Wald, wo wir auch noch Cheryls Mann namens Charbel kennen lernen.

Die beiden sind besonders Gastfreundlich und laden uns noch zu einem köstlichen Abendessen ein, wo wir lange Gespräche über bspw. die Flüchtlingssituation im nahen Osten führen. Charbel kommt ursprünglich aus dem Libanon, wo das Ehepaar auch für 5 Jahre gelebt hat.

Zu guter letzt bieten sie uns auch noch eines ihrer leerstehenden Zimmer an und bekommen sogar ein Frühstück am nächsten Morgen.

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To Cheryl and Charbel:

In case you are reading this, thanks again for your hospitality. It was lovely to meet such kind and nice people like you and we really enjoyed the evening and night in your beautiful cabin.

Sonntag 27.09.2015

Nach dem Frühstück durchforsten wir noch einmal die tiefen des Internets bezüglich gratis campen und finden endlich halbwegs brauchbare Informationen. Danach machen wir uns auf den Weg in Richtung Yosemite Valley – der Hauptattraktion des Nationalparks. Ein erster Stopp beim Aussichtspunkt „Tunnel View“ erinnert gleich an Flos Desktop Hintergrund.

Leider befindet sich – wie auch bei uns in Zeitungen berichtet – Kalifornien in einer Dürreperiode, weswegen leider fast alle Wasserfälle ausgetrocknet sind.

Dank Flos professionellen Computerkenntnissen haben wir den Normalzustand des Tals möglichst originalgetreu dargestellt.

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El Capitan zur Linken, Halfdome mittig klein in der Ferne
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So sieht wegen der Dürre es nur mehr im Frühling nach der Schneeschmelze aus

Wir fahren zu dem West-Entrance des Parks um dort die im Internet erwähnten Free Camp Sites zu suchen, was sich als komplizierter als erwartet heraus stellte. Nach langer Suche finden wir aber einen geeigneten Platz und machen uns wieder auf den Weg in den Park um ein bisschen im Tal spazieren zu gehen.

Der Halfdome
Der Halfdome

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El Capitan
El Capitan
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Flo hält Ausschau nach Kletterern an der Felswand
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Gefunden! Die drei haben es fast geschafft!
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Fernglas sei Dank können wir diese Kletterer überhaupt sehen. Mit freiem Auge sieht man nix.

 

Am Abend haben wir das Glück den Supermarkt noch rechtzeitig zu verlassen und den Sonnenuntergang am Halfdome miterleben zu können.

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Am Weg zum Abendessen treffen wir auf einen besonders zutraulichen Rehbock:

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Am Weg zu unserem Zeltplatz durchqueren wir noch einmal das Tal in der Dunkelheit und können die am El Capitan übernachtenden Kletterer anhand mehrerer kleiner leuchtenden Punkte an der Felswand erkennen.

Montag 28.09.2015

Heute machen wir uns auf ans andere Ende des Nationalparks. Das Ziel lautet Mobil-Restaurant in Lee Vining, welches uns von unserer Nachbarin in Wien empfohlen wurde.

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Am weg machen wir Halt beim Olmsted Point und sehen den Halfdome von hinten

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Olmsted Point in die andere Richtung
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Ein weiterer Zwischenstopp beim Tenaya Lake
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Tuolmne Meadows. Sind wir etwa zurück in Yellowstone?

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Als wir nach zwei Stunden in Lee Vining ankommen wird uns klar, dass wir mittlerweile Amerikaner geworden sind. Zwei Stunden für ein Mittagessen?? Ganz so drastisch war es dann doch nicht, da wir diesen Teil des Parks sowieso anschauen wollten um dort zu den Cathedral Lakes zu wandern.

Als wir beim Restaurant angekommen sind, waren wir zuerst ein bisschen verdutzt. Das Mobil steht nämlich für die Tankstelle Mobil. Es handelt sich um ein Tankstellenrestaurant. Wir denken uns, dass das nicht stimmen kann und fahren einmal durch den ganzen Ort um festzustellen, dass es nur dieses Restaurant sein kann. Auch im Internet finden wir nur positive Bewertungen zu dieser Raststation und wagen uns hinein. Wir wählen Fish Tacos und Veggie Burger und es war tatsächlich sehr gut.

Danach geht es wieder in den Park um unsere geplante Wanderung zu den Lakes anzutreten.

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Am Abend geht es zurück zum Tal für ein Abendessen und Verpflegung für die nächsten zwei Tage, die wir auf der unglaublich gefährlichen Wanderung zum berüchtigten Halfdome verbringen werden. Der Sonnenuntergang am Weg hinunter war ein paar Fotos Wert:

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Flo wird noch mehr zum Amerikaner und beginnt beim Einkauf auf Kalorien und Proteine zu achten. So viel wie möglich, bei kleiner Verpackungsgröße.

Dieser Riegel hat 230 kcal ?
Dieser Riegel hat 230 kcal ?

Dienstag 29.09.2015

07.00 Uhr: Ab geht’s! In den Park fahren um ein Frühstück und Wasserreinigungstabletten zu kaufen (die einzige Wasserquelle auf der Wanderung ist der angeblich „unreine“ Merced River. Und der Shop bei dem es die Tabletten gibt hatte gestern schon geschlossen). Das Frühstück war nicht schwer zu bekommen, jedoch die Micropur Tabletten stellten sich als besonders schwierig heraus. Sie sind im ganzen Nationalpark ausverkauft. Nagut. Dann müssen wir halt genug Wasser für zwei Tage mitschleppen. Eine Disziplin in der wir – wie ihr wisst – Profis sind. ?

Wir parken unser Auto beim Trailhead Parkplatz, verstauen alles was riecht und wir nicht mitnehmen wollen in den Bärcontainer (die Brechen nämlich manchmal Autos auf), und machen uns um 09.30 Uhr auf den Weg in Richtung Little Yosemite Valley, wo wir unser Zelt aufstellen können.

Bist du denn deppert, diese Rucksäcke sind schwer. Warum gibt es bloß keine Micropur Tabletten mehr?? Der Weg geht an zwei Wasserfällen entlang und ist ziemlich anstrengend. Um 12.00 Uhr erreichen wir den Camping platz und bauen unser Zelt auf. Wenn wir der Erschöpfung nachgeben würden, dann wäre jetzt ein Mittagsschlaf dran, aber weil wir heute noch viel vorhaben gibt es stattdessen ein schnelles Mittagessen und ab gehts mit nur noch einem Rucksack – der jetzt quasi nichts mehr wiegt – weiter um den Halfdome zu besteigen.

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Wir durchqueren einen schwarz-rußigen, verbrannten Wald und die Lisa findet unzählige wunderschöne Bockerl, die sie am liebsten für den Pfadfinderadventmarkt nach Wien schicken würde.

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Wir erreichen die Baumgrenze und sehen auch bald danach die sogenannten Cables, welche auf den Halfdome hinauf führen. Um zu diesen Cables zu kommen, muss man zuerst einmal den Subdome besteigen. Alleine das ist schon ziemlich anstrengend, mit riesigen Stufen und steilem Anstieg.

Bei den Cables angekommen, finden wir eine recht große Grube an benutzten Handschuhen. Wir nehmen jeweils ein Paar und finden nach nur 5 Minuten raufklettern, dass das eine goldrichtige Entscheidung war.

Die Cables sind STEIL, alles was wir bisher gegangen sind war ein Furz dagegen. Es ist so steil, dass man ohne Cables am trockenen Granit ausrutschen würde. Teile des Aufstiegs bezwingt man daher nur mit der Kraft seiner Arme (Lisa hatte am nächsten Tag keinen Bein, dafür einen Arm Muskelkater – eine Neuheit nach dem Wandern).

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Oben angekommen erwartet uns ein Ausblick, ähnlich wie schon die bisherigen Tage. Es ist Grau in Grau. Das Wetter meint es hier in Yosemite leider nicht gut mit uns. Wir gehen an der Kuppel ein wenig herum, finden aber wegen fehlender Beschilderung/Orientierung nicht die Steilwand für ein Höhenangst-Foto.

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Unser ursprünglicher Plan war es den Sonnenuntergang von hier oben anzuschauen (Stirnlampen natürlich dabei). Die fehlende Sonne und ein dazukommendes leichtes Tröpfeln bringen uns jedoch dazu diesen Plan abzubrechen und wir beginnen den vorzeitigen Abstieg. Alleine schon die Vorstellung diesen rutschigen Granit bei Nässe hinab zu gleiten, und die überall aufgehängten Schilder, die einen davor warnen bei Gewitter hier oben zu sein haben uns schnell überzeugt.

Wir kommen dann zum Sonnenuntergang beim Campingplatz an und beginnen diese Entscheidung zu bereuen. Das Tröpfeln hat nicht angehalten und der ganze Wald ist von einem orangenen Licht durchflutet. Eine intensivität, die wir beide noch nie so erlebt haben.

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Um sicher zu stellen, dass wir für den nächsten Tag einen zusätzlichen Reserveliter an Wasser bei uns haben bitten wir andere Camper um ihren Wasserfilter. Danach geht es ab ins Bett. Morgen stehen viele Kilometer an.

Mittwoch 30.09.2015

Die gestrige Motivation was das frühe Aufstehen angeht ist über Nacht verflogen. Wir haben insgesamt ZEHN mal auf den Schlummerknopf geklickt und somit unsere Zeltnachbarn vermutlich ganz schön verärgert. Den Coyoten, der einfach so während unseres Frühstück 10 Meter neben uns durch den Campingplatz spazierte haben wir wohl nicht abgeschreckt (diese Tiere hier sind alle so zutraulich, warum fürchten sich die nicht?).

Es geht über den 8,5 Meilen langen Panorama Trail (13,7km) weiter bis zum Glacier Point. Woher der Trail seinen Namen hat, ist uns nicht ganz klar. Besonders toll war die Aussicht nämlich nicht. Erst am Ziel sehen wir dann von El Capitan bis zum Halfdome fast das ganze Tal.

Aussicht vom Panorama Trail, man sieht die Steilwand vom Halfdome
Aussicht vom Panorama Trail, man sieht die Steilwand vom Halfdome

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Glacier Point
Glacier Point

Wir überlegen ob wir vom Glacier Point ins Tal hitchhiken, oder den 4,7 Meilen langen „Four Mile Trail“ (7,7km) marschieren sollen. Noch sind wir munter und gut aufgelegt, also geht es zu Fuß bergab. Die Aussicht von diesem Trail ist eigentlich viel cooler als vom Panorama Trail, man erkennt die Gewaltigkeit des El Capitan und kann auch sonst das Tal gut  überblicken. Auch die im Moment ausgetrockneten, gewaltigen Yosemite Falls (höchster Wasserfall Nordamerikas) sehen wir von hier aus gut.

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El Capitan zur Rechten
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Yosemite „Falls“ – ausgetrocknet
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Abermals, eine naturgetreue Darstellung bei nicht vorhandener Dürre

Zum Ende hin werden unsere Beine schwach und unsere Füße schmerzen, die Motivation ist mittlerweile bei null angelangt. Wir wollen einfach endlich bei unserem Auto sein. Aber auch wie wir im Tal ankommen, ist es noch nicht aus. Noch zwei Busse und ca. 40 Minuten trennen uns von dem Parkplatz.

Beim Auto angekommen holen wir alle Sachen aus dem Bärcontainer und machen uns erneut auf den Weg zum Glacier Point – noch einmal lassen wir uns so einen Sonnenuntergang nicht entgehen!

Eine Stunde Autofahrt! Wir fahren für einen Sonnenuntergang quasi nach Pillersdorf…? Ziemlich unnötig, wie sich herausstellt, denn der Sonnenuntergang verlief Grau in Grau, wir sind leider keine guten Wetterfrösche. Wir haben nicht mal ein Foto von dieser Enttäuschung gemacht. Also wieder eine Stunde ins Tal fahren um Abend zu essen.

Gute Nacht Josämitti, es war uns ein Vergnügen. Das nächste mal bitte mit Wasser und Sonne.

Ein Überblick unseres Aufenthalts
Ein Überblick unseres Aufenthalts

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